BCAA (Branched Chain Amino Acids)
BCAA's (Branched Chain Amino Acids)
Quelle: http://www.sportfitness.ch
BCAA`s
oder verzweigtkettige Aminosäuren, wie sie im Deutschen heißen,
bestehen aus den drei Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin, die
allesamt der Gruppe der essentiellen Aminosäuren angehören, was
bedeutet, daß der Körper sie nicht selbst herstellen kann, sondern auf
eine Zufuhr durch die Nahrung angewiesen ist. Der Term
'verzweigtkettig' beruht auf der besonderen chemischen Molekülstruktur
der drei Aminosäuren, für die ein Ineinandergreifen der Methylgruppen
charakteristisch ist. Daraus läßt sich eine erste wichtige Eigenschaft
ableiten: BCAA können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn alle drei
Aminos, Leucin, Isoleucin und Valin gleichzeitig eingenommen werden.
Eine isolierte Anwendung gilt es zu vermeiden.
Um die Bedeutung der
verzweigtkettigen Aminosäuren im Bodybuilding verstehen zu können, sei
uns ein Blick auf einige Eigenschaften des Muskelgewebes gestattet.
Muskeln bestehen aus Protein, mit Aminosäuren als einzelnen Bausteinen,
ein Punkt, den jeder kennt. Interessant wird es erst, wenn man die in
den Muskelzellen vorkommenden Aminosäuren genauer betrachtet. Denn hier
stechen zwei ganz deutlich hervor. Die in der Skelettmuskulatur am
stärksten vertretenen Aminosäuren sind Glutamin und Alanin, in einem
Mengenverhältnis von 10:1. So weit, so gut. Wenn nun aber der Körper
mit Streßsituationen wie z.B. Bodybuilding, Powerlifting, Gewichtheben
oder irgendeiner anderen intensiven sportlichen Betätigung konfrontiert
wird, kommt es zu folgender Szenerie: Große Mengen Glutamin und Alanin
werden von den Muskelzellen ins Blut abgegeben, um das Immunsystem zu
stärken, die Funktion des Magen-Darm-Traktes zu verbessern, die
Glykogenproduktion in der Leber zu steigern und den Ammoniakabbau über
die Nieren zu erhöhen. Im Endeffekt werden sowohl Glutamin als auch
Alanin über den Urin ausgeschieden und gehen damit für den Körper
verloren. Wichtig ist, die während des Trainings verlorengegangenen
Glutamin- und Alaninvorräte wieder aufzufüllen, ansonsten gerät die
Muskelzelle in einen katabolen, abbauenden Zustand, bei dem
Muskelgewebe verstoffwechselt wird, weshalb der Athlet folgerichtig
hart erarbeitete Muskelmasse und Kraft einbüßt. Um dies zu verhindern,
versuchen die Muskelzellen sowohl während als auch nach der
körperlichen Belastung Glutamin Lind Alanin aus anderen Aminosäuren
herzustellen.
Welche Rolle spielen dabei die BCAA?
Studien
haben gezeigt, daß sie das so wichtige Baumaterial für die Glutamin-und
Alaninbildung liefern. Die schnelle Aufnahme und der hohe Verbrauch von
Leucin, isoleucin Lind Valin in den Muskelzellen während Lind nach dem
Training liefern dafür den Beleg. Nur, woher nimmt der Körper jene drei
verzweigtkettigen Aminosäuren? Drei Möglichkeiten stehen zur Auswahl:
Erstens, der Körper verstoffwechselt eigenes Muskelgewebe und gewinnt
daraus BCAA, die immerhin 35% aller im Muskel enthaltenen essentiellen
Aminosäuren ausmachen. Zweitens, er benützt für einen weiteren
Proteinaufbau zunächst einmal weniger BCAA, oder drittens, die
Muskelzellen decken ihren erhöhten Bedarf über die im Blutkreislauf
befindlichen, sogenannten freien BCAA, die noch nicht an Körperzellen
gebunden sind. Die ersten beiden Punkte gilt es züi vermeiden, sollte
der Athlet weiterhin Interesse an einem kraftvollen Muskelaufbau hegen.
Bleibt als einzig sinnvolle Strategie Punkt drei, die Versorgung der
Muskelzellen über den Blutkreislauf mit freien BCAA. Und an dieser
Stelle kommt erstmals die Verwendung von BCAA-Präparaten ins Spiel.
Denn
die verzweigtkettigen Aminosäuren werden nach der Einnahme - ganz im
Gegensatz zu den übrigen Aminosäuren - nicht erst in der Leber, sondern
direkt im Muskelgewebe verstoffwechselt, d.h. sie können von den
Muskelzellen ohne Umschweife zur Bildung von verbrauchtem Gutamin und
Alanin herangezogen. Dadurch muß der Körper nicht auf eigenes
Muskelgewebe zurückgreifen. Im Klartext: Werden BCAA zum richtigen
Zeitpunkt verabreicht, so besitzen sie die Fähigkeit, den Athleten vor
einem Abbau von Muskelsubstanz zu schützen. Man spricht in diesem
Zusammenhang auch von einem anti-katabolen Effekt der verzweigtkettigen
Aminosäuren. Zu diesem Zweck sollten BCAA 60 - 90 Minuten nach dem
Training eingenommen werden, da hier die Aminosäurenaufnahme in den
Muskelzellen am höchsten ist. Um eine optimale Resorption zu
gewährleisten, empfiehlt sich die Kombination mit einer Mahlzeit. Man
schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe, denn BCAA stimulieren
außerdem die Bauchspeicheldrüse zu einer vermehrten
Insulinausschüttung, wodurch der Transport von Aminosäuren in die
Muskelzellen noch verstärkt wird.
Untersuchungen über die
Wirkungsweise von BCAA beim Menschen zeigen auf, daß deren
Verabreichung möglicherweise einen direkten anabolen Effekt nach sich
zieht. Leucin, Isoleucin und Valin verfügen über das Potential, gewisse
hormonelle Vorgänge zu beeinflussen, wobei insbesondere Leucin einige
interessante Eigenschaften zu bieten hat. Eine wachsende Anzahl von
Berichten deuten darauf hin, daß Leucin den HGH-Blutspiegelwert erhöht
Lind sowohl die Ausschüttung von Insulin als auch die des
T3-Schilddrüsenhormons Liothyronin steigert. Liothyronin besitzt in
geringer Dosierung eine anabole Wirkung, da es die Proteinsynthese in
den Muskeln positiv beeinflußt und darüber hinaus die Verbrennung von
Kohlenhydraten und Fetten zu Energie aktiviert.
Weiterhin
dienen BCAA, allen voran Leucin, den Muskelzellen als Energiequelle.
Während körperlicher Belastung wird L-Leucin direkt in der Muskulatur
oxidiert. Die Oxidationsrate steigt proportional mit der
Trainingsintensität an, was zeigt, daß der Leucinbedarf der
Muskelzellen von deren Energiebedarf abhängt. In Situationen, die durch
abnehmende bzw. niedrige Glykogenvorräte der Muskelzellen
gekennzeichnet sind, wie z.B. eine kalorienreduzierte und
Kohlenhydrateeingeschränkte Diät in der Wettkampfvorbereitung oder das
Ende einer kräftezehrenden Traningseinheit, kann vor allem Leucin von
den Muskelzellen schnell und problemlos als Energieträger herangezogen
werden. Obwohl die Hauptenergie von Kohlenhydraten und Fetten herrührt,
werden Proteine bei Bedarf durch den sogenannten Gluconeogenese-Prozeß
ebenfalls herangezogen. Was bei vielen Athleten u.a. zu einer spürbar
verbesserten Ausdauerleistung führt.
Eine bedeutsame Rolle für
den Bodybuilder spielt der Glucose-Alanin-Zyklus, welcher in inniger
Beziehung zu den verzweigtkettigen Aminosäuren steht. Alanin ist die
wichtigste Aminosäure, wenn es darum geht, einen einigermaßen stabilen
Blutzuckerspiegel während sportlicher Ausübungen zu gewährleisten, da
diese unter körperlicher Belastung für nahezu die Hälfte der in der
Leber produzierten Glucose verantwortlich ist. Mit anderen Worten: Bei
einem schweren Bodybuildingtraining wird Alanin in der Leber zu Glucose
umgewandelt, die der Muskulatur als Energie dient. Welchen Part
übernehmen dabei die BCAA? Die nachfolgende, stark vereinfachte
Darstellung des Glucose-Alanin-Zyklus wird für Klarheit sorgen. Wie wir
wissen, steigt der Bedarf an Leucin im Muskelgewebe während
anstrengender Trainingseinheiten stark an, was der Muskel dadurch
kompensiert, daß er mehr Leucin aufnimmt. Dies wiederum zieht zwei
bedeutende Effekte nach sich: Erstens, die Aminogruppe von Leucin wird
zur Bildung von Alanin verwendet, und zweitens, der verbleibende Rest,
die Ketosäure, also Leucin minus seiner Aminogruppe, wird im Muskel zu
Energie verbrannt. Das neugeformte Alanin wandert zur Leber und dient
dort der Glucoseherstellung (siehe Gluconeogenese-Prozeß). Das Ergebnis
ist, daß Leucin zum einen direkt in der Muskelzelle zur
Energieproduktion eingesetzt wird und zum anderen, daß die Muskeln die
aus Alanin in der Leber geformte Glucose ebenfalls als Antriebskraft
benutzen können. Für den Bodybuilder bedeutet dies in der Praxis: BCAA
versorgen die Muskelzellen mit Energie, wodurch der Muskel während und
nach dem Tarining nicht gezwungen ist, seine eigenen Proteinvorräte zu
verbrauchen. Letztendlich läuft halt doch alles auf die anti-katabole,
muskelerhaltende Wirkung der BCAA hinaus. Der Nettoeffekt besteht aus
einer positiven Stickstoffbilanz innerhalb der Muskelzellen und einem
daraus resultierenden Muskelwachstum.
Wer BCAA ein bis zwei
Stunden vor dem Training einnimmt hat die Möglichkeit, seinen
Testosteronspiegel zu erhöhen. Auf diesen Schluß könnte man kommen,
wenn man die Ergebnisse verschiedener Studien interpretiert. Diese
schreiben verzweigtkettigen Aminosäuren während des Trainings einen
testosteronschonenden Effekt zu - was auch immer darunter zu verstehen
ist - mit dem Resultat, daß nach der körperlichen Strapaze höhere
Testosteronwerte gemessen werden können. Eine Nachricht, die niemanden
vom Hocker reißen dürfte, schließlich ist schon lange bekannt, daß
insbesondere ein kurzes und intensives Hanteltraining das Potential
besitzt, die Testosteronproduktion zu steigern. Zweifel im Bezug auf
die vermehrte Testosteronproduktion durch BCAA sind hier sicher
berechtigt. Nichts destoweniger kann ein Selbstversuch nicht schaden -
vorausgesetzt, er geht nur über vier bis sechs Wochen.
Denn die
BCA-A Verabreichung vor dem Training ist nicht ganz risikolos, da mit
einer solchen Einnahmeprozedur die Harnwerte ansteigen und den Körper
belasten. Selbiges Problem tritt natürlich auch auf, wenn der Athlet
sich die energieliefernde, ausdauerfördernde Wirkung der
verzweigtkettigen Aminosäuren zunutze machen möchte. Vor allem
Ausdauersportler, z.B. Marathonläufer, nehmen kurz vor dem Rennen gerne
BCAA, um 'hintenheraus' mehr Energie zu haben. Damit aus der vermehrten
Harnstoffbelastung keine gesundheitlichen Risiken entstehen, sollte die
Anwendung vor dem Training nur kurzfristig oder unregelmäßig erfolgen.
Unserer Meinung nach macht der BCAA-Gebrauch vor dem Training zumindest
für Bodybuilder wenig Sinn. Hier ist die Einnahme 60 Minuten nach der
körperlichen Anstrengung in Verbindung mit einer Mahlzeit vorzuziehen.
Da Harnstoff hauptsächlich bei der Umwandlung von BCAA zu Energie
entsteht, dürfte der Einnahmezeitpunkt nach dem Training weitaus
unbedenklicher sein.
Wer sich gut ernährt und regelmäßig
verzweigtkettige Aminosäuren einnimmt, der wird langfristig bessere
Fortschritte machen als ohne BCAA. Naturalbodybuilder sollten sich
stets vor Augen halten, daß das Unternehmen Muskel- und Kraftaufbau
ohne die pharmazeutische Keule ein schwieriger und langsamer Prozeß
ist, bei dem alles stimmen muß: Das Training, die Ernährung, die
Erholung, die Einstellung und die richtigen Supplements. Ein Rädchen im
Getriebe sind die BCAA. weshalb deren Einnahme jedem Bodybuilder
empfohlen werden kann. Athleten, die auf einer kalorienreduzierten Diät
sind, sollten BCAA in jedem Fall einmal ausprobieren, da sie mit ihrer
anti-katabolen Wirkung helfen können, wertvolle Muskelmasse zu
konservieren. Gleiches gilt für Ausdauersportler, die von den
energieliefernden Eigenschaften der verzweigtkettigen Aminosäuren
erwiesenermaßen profitieren, wenn diese ca. 30 Minuten vor dem
Training/Wettkampf verabreicht werden.
Die Frage nach der zur
Leistungssteigerung effektivsten Dosierung bei Leucin, isoleucin und
Valin ist schwierig zu beantworten. Fakt ist, je intensiver das
Training, je häufiger und länger man trainiert, je besser man trainiert
bzw. konditioniert ist und je höher das Körpergewicht, desto größer der
Bedarf an BCAA. Der geschätzte tägliche Bedarf an verzweigtkettigen
Aminosäuren bei hart trainierenden Athleten dürfte bei Leucin im
Bereich von 5 - 6 Gramm/Tag, bei Isoleucin bei etwa 2 Gramm/Tag und bei
Valin zwischen 4 - 5 Gramm/Tag liegen. Wichtig ist in diesem
Zusammenhang das Wort 'Tagesbedarf', d.h. die Dosierungsangaben
schließen auch die BCAA-Zufuhr mit der täglichen Nahrung ein und müssen
deshalb nicht ausschließlich mit Aminosäurentabletten gedeckt werden.
Je qualitativ hochwertiger und proteinreicher die Ernährung ist, um so
weniger ist man auf die Zufuhr von BCAA-Präparaten angewiesen. Wichtig
erscheint auch, daß die Mahlzeit, mit der die BCA-A 60 Minuten zusammen
nach dem Training eingenommen werden, mindestens 40 Gramm hochwertiges,
tierisches Eiweiß enthält. An trainingsfreien Tagen kann die Gabe
zusätzlicher BCAA ganz entfallen oder auf 1 - 2 Gramm Leucin, 0,5 - 1
Gramm Isoleucin und 1 - 2 Gramm Valin beschränkt werden. Dafür sollte
man an Trainingstagen, d.h. 60 Minuten nach Beendigung der
Trainingseinheit, mit der Zufuhr von BCAA-Präparaten nicht knauserig
sein, so daß man durchaus 4 Gramm Leucin, 3 Gramm Valin und 2 Gramm
Isoleucin in Form von verzweigtkettigen Aminosäurentabletten auf einmal
einnehmen kann.
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